Der ungarische Architekt und Designer Marcel Breuer schreibt sich 1920 zunächst an der Akademie der bildenden Künste
in Wien ein. Noch im gleichen Jahr bricht Breuer jedoch dieses Studium ab und geht nach Weimar, um sich dort am
Bauhaus einzuschreiben. 1920-1924 arbeitet Marcel Breuer in der Möbelwerkstatt. 1923 entstehen erste Architekturentwürfe
und Marcel Breuer arbeitet an Serienhäusern des Büros von
Walter Gropius mit. 1925-1928 übernimmt Marcel Breuer
die Leitung der Möbelwerkstatt, in dieser Zeit entsteht auch sein erster
Stahlrohrsessel, den er 1927 als
"Stahlclubsessel, Typ B3" präsentiert. Später wird dieser in
"Wassily" umbenannt. 1926/27 kommt es am Bauhaus
zur "Breuer-Krise", da Marcel Breuer gemeinsam mit dem ungarischen Architekten Stefan Lengyel die Gründung
ihrer Firma Standart-Möbel auf eigene Faust betreibt, ohne sich vorher mit der Bauhaus-Leitung für die Produktrechte
abzusprechen.
In der Folge entwirft Marcel Breuer eine ganze Reihe von Stahlrohrmöbeln unter anderen den Freischwinger bzw. Stahlrohr
Stuhl Cesca, die
Laccio Tische und Schränke,
die von Standard-Möbel in Berlin hergestellt und vertrieben werden. Einige der Stahlrohrmöbel werden später von der
Firma
Gebrüder Thonet und auch Knoll International hergestellt. Das Stahlrohr als Grundelement hat für Marcel Breuer
die großen Vorzüge, dass es an sich schon ein standardisiertes Element für seine Typenmöbel, außerdem preiswert und
hygienisch ist.
In allen Phasen seines Lebens wird Marcel Breuer auch mit anderen Techniken und Materialien an Entwürfen
für standardisierbare und preiswerte Möbel arbeiten. 1928 gründet Marcel Breuer in Berlin ein Architekturbüro, der
Bund Deutscher Architekten (BDA) verweigert ihm jedoch bis 1931 die Aufnahme. Marcel Breuer erhält keine Bauaufträge,
konzentriert sich auf Innenausstattungen und führt die Entwicklung von Typenmöbeln fort. Als erster Bau entsteht 1931
"Haus Harnischmacher" in Wiesbaden. In Zürich gestaltet er das Möbelgeschäft "Wohnbedarf". Zwei Jahre später entwirft
er für den Gründer der Firma Wohnbedarf in Zürich die Doldertaler Häuser, zwei experimentelle Wohnblocks (zusammen
mit Alfred und Emil Roth). Um der Verfolgung durch die Nazis wegen seiner jüdischen Abstammung zu entgehen emigriert
Marcel Breuer 1933 nach Ungarn, 1935 geht er nach England, 1937 schließlich in die USA, wo Marcel Breuer bis 1946 wie
Walter Gropius an der Designschule der Harvard University lehrt. Kurzzeitig haben die beiden ein gemeinsames
Architekturbüro. Es entstehen 1939 der Pennsylvania Pavilion für die New Yorker Weltausstellung sowie mehrere Privathäuser,
einschließlich des Wohnhauses für Gropius. 1941 hat Marcel Breuer erneut ein eigenes Architekturbüro, mit dem er 1946
nach New York umzieht (1956 in Marcel Breuer and Associates umbenannt). Marcel Breuer entwirft über 70 Wohnhäuser,
zahlreiche Universitäts- und Bürogebäude. Als kleine Auswahl seien das Unesco-Gebäude in Paris (1953-1958), das
Whitney-Museum of American Art in New York (1966), das Sportgelände Flushing Meadow, New York (1960/61) oder die
Laboratorien für IBM in La Gaude, Frankreich genannt. Marcel Breuer wird zu einem der bedeutendsten Vertreter der Moderne.